SAN PIETRO IN VINCOLI

San Pietro in Vincoli – St. Peter in Ketten

St. Peter in Ketten, so lautet der Name der Basilika San Pietro in Vincoli übersetzt. Ganz in der Nähe des Kolloseums am Esquilin-Hügel gelegen, beherbergt die Kirche eine große Berühmtheit: Die Moses Statue von Michelangelo. Gebaut wurde die Kirche auf Überresten aus dem 2. Jahrhundert, ihr Grundstein wurde im Jahr 431 gelegt. In der langen Zeit seitdem wurde die Kirche mehrfach umgebaut, zuletzt im Stil der Renaissance. Der Umbau fand statt unter Kardinal Giuliano della Rovere, der übrigens 1503 zum Papst Julius II. wurde. Der Name der Kirche stammt von den Ketten in denen Petrus bis zu seiner Befreiung in Jerusalem gefesselt war wie es heisst. Außerdem soll Petrus diese sie im Mamertinischen Kerker Roms getragen haben. Diese Ketten werden in einer Glasvitrine unter dem Altar der Kirche aufbewahrt. Berühmt ist die Kirche für das Grabmal Juliuss II., geschaffen wurde es von Michelangelo. Im Grabmal sind die Statuen von Rachel, Lea und Mose zu sehen. Vor allem die Moses-Statue gilt als wichtiges Werk Michelangelos. Mose ist dargestellt als Rückkehrer vom Berg Sinai mit den Gesetzestafeln, im Moment als er die Israeliten beim Tanz um das goldene Kalb entdeckt. Bemerkenswert ist die Körperdrehung der Figur, denn ursprünglich sollte sie eine Eckfigur des Sarkophags werden und schon aus der Ferne wirken. Der Gesichtsausdruck ist furchterregend, Michelangelo wird auch als Meister der Darstellung der “Ehrfurcht gebietenden Kraft” gesehen.

San Pietro in Vincoli, Piazza San Pietro in Vincoli 4A, Tel.: 06 4882 865. geöffnet tägl 7-12 und 15:30-19 Uhr (Winter 18 Uhr). (41° 53′ 38″ N 12° 29′ 35″ O).

Von der Metro-Haltestelle Via Cavour steigt man eine Treppe hoch bis zur Straße, überquert die Via Cavour und steigt eine weitere längere Treppe zur nächsten Querstraße. Von dort geht es nach rechts zur Kirche. Deren Inneres ist mit Ausnahme des Altarraums recht hell gehalten. Die Skulptur von Michelangelo befindet sich vorne an der rechten Seite. Die Ketten des hl. Petrus sind in einem beleuchteten Glaskasten unter dem Altar.

Geschichte: Sankt Peter in den Ketten ist auch unter dem Namen Basilica Eudoxiana bekannt, nach Licinia Eudoxia, Gattin des Kaisers Valentinian III. (425-455 n. Chr.). Eudoxia brachte die Ketten nach Rom, in denen Petrus während seiner Gefangenschaft in Jerusalem gelegen hatte. Viele glauben daher, die Kirche sei im 5. Jahrhundert als Aufbewahrungsort für diese bedeutende Reliquie gegründet worden. Tatsächlich aber ist die Kirche viel älter und war ursprünglich den Heiligen Petrus und Paulus gewidmet. Im 6. Jahrhundert wurde die Kirche während des Einfalls der Ostgoten beschädigt und von Papst Pelagius I. wieder instand gesetzt. Zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert wurde sie noch mehrmals restauriert und 1475 sogar teilweise neu aufgebaut. Ein Großteil des Inneren, darunter auch die Deckengemälde, stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Die Ketten des Petrus: Im 5. Jahrhundert übergab Juvenal, Bischoff von Jerusalem, die Ketten, in denen Petrus angeblich in Jerusalem gefangengehalten worden war, an Eudoxias Mutter, die sie wiederum an ihre Tochter in Rom schickte. Eudoxia übergab die Ketten Papst Leo I., der sie schließlich in dieser Kirche aufbewahrte, zusammen mit den Ketten, in denen Petrus im mamertinischen Kerker in Rom gelegen hatte. Einer mittelalterlichen Legende zufolge fügten sich beide Ketten daraufhin auf wundersame Weise zusammen. Heute sind die Ketten auffällig in einem prachtvollen goldenen Reliquiar ausgestellt. Michelangelos Mosesstatue

Grabmal für Papst Julius II: Die meisten Menschen besuchen die Kirche, um das Grab von Giuliano della Rovere zu besichtigen, der seit 1503 Papst Julius II. war. 1505 ließ der Papst Michelangelo nach Rom kommen, um an seinem Grab zu arbeiten. Er plante, das Grabmal direkt unter der Kuppel des neuen Petersdoms aufstellen zu lassen. Michelangelo entwarf ein riesiges Grabmal mit 40 Statuen. Er reiste nach Florenz, um die besten Blöcke Carraramarmor zu erwerben, und begann mit der Arbeit. 1508 allerdings zog die Dekoration der Sixtinischen Kapelle die Aufmerksamkeit des Papstes auf sich, und so sollte Michelangelo stattdessen das Deckengemälde der Kapelle anfertigen. Michelangelo kam dem Wunsch nur widerwillig nach – betrachtete er sich doch vielmehr als Bildhauer und Architekt, weniger als Maler – und schuf sein berühmtes Deckengemälde.

 

Mosesstatue

Detail der Statue: Kurz nach Vollendung des Werks starb Julius II., und seine Nachfolger beauftragten Michelangelo mit anderen Aufgaben. An dem Grab eines ihrer Vorgänger zeigten sie kein besonderes Interesse, also konnte Michelangelo nur zeitweise daran arbeiten. Als Michelangelo im Jahre 1564 starb, waren lediglich die Statuen von Moses, Lea, Rachel und zweier sterbender Sklaven fertiggestellt. Niemand weiß genau, wie das Grabmal ausgesehen hätte, doch im wahrscheinlichten Fall war die Juliusstatue als Kernstück des Werks geplant, mit Moses und Jesus an der Spitze. Stattdessen steht nun die Mosesstatue prominent im Zentrum. Flankiert wird er von Lea und Rachel, beide in Michelangelos späten Lebensjahren geschaffen. Die beiden Statuen sterbender Sklaven sind heute im Louvre in Paris und in der Galleria dell’Accademia in Florenz ausgestellt. Die Statuen über Moses wurden von Michelangelos Schülern erstellt, wobei die liegende Statue Julius II. auch eine Schöpfung des Meisters selbst sein könnte – Experten sind sich noch uneinig.

Die Mosesstatue zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters nicht nur aufgrund ihrer auffälligen Position auf sich, sondern auch aufgrund ihrer fesselnden Wirkung. Sogar Michelangelo betrachtete die Statue als eine seiner besten Arbeiten, und angeblich hielt er die Statue für so lebensecht, dass er begann, mit Moses zu sprechen. Als die Statue nicht antwortete, wurde Michelangelo wütend und warf Moses vor Zorn einen Meißel ans Knie. Diese Geschichte könnte den Schnitt erklären, der am rechten Knie der Statue sichtbar ist. Die Hörner an Moses Kopf sind das Ergebnis einer Fehlübersetzung des Alten Testaments. Im Mittelalter glaubte man, die Originalschriften hätten Moses als gehörnt beschrieben. Heute wissen wir, dass der Text seinem Gesicht eigentlich nur „Ausstrahlung“ zuschreibt.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Deckengemälde: Die gekrümmte Decke des Mittelschiffs der Kirche wurde 1706 erschaffen. Das herrliche Deckengemälde von Giovanni Battista Parodi stellt das „Wunder der Ketten“ der. Flankiert wird das Mittelschiff von zwei Reihen wuchtiger dorischer Säulen, vermutlich aus einem antiken römischen Bad oder Tempel weiterverwertet.

Nahe dem Altar auf der linken Seite der Kirche liegt das Grab des Nikolaus von Kues, eines deutschen Theologen und päpstlichen Gesandten, der bereits 1440 – lange vor Kopernikus – erkannte, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Kosmos lag.